Biotest
Umsatzsteigerung trotz erhöhter Belastungen
Offenbach, 15.07.10
Die Biotest Gruppe hat gestern in einer Adhoc-Mitteilung über die
Geschäftsentwicklung im ersten Halbjahr 2010 sowie die Erwartungen
hinsichtlich Umsatz und Ergebnis für das laufende Geschäftsjahr
informiert.
Wesentlich dafür war der durch den Angebotsüberhang verursachte Druck auf die Preise für Plasmaproteine, insbesondere bei polyvalenten Immunglobulinen und Gerinnungsfaktoren. Zudem konnte Biotest im ersten Halbjahr nicht in allen Vertriebsregionen die geplanten Produktmengen absetzen. So blieben im Geschäft mit dem polyvalenten Immunglobulin Intratect® in Deutschland sowohl die abgesetzte Menge als auch die zu erzielenden Preise hinter den Erwartungen zurück. Selbiges gilt für die Absätze mit dem Gerinnungspräparat Haemoctin® im osteuropäischen Markt.
Das Volumen des in den USA gesammelten Blutplasmas war in den vergangenen fünf Jahren um bis zu 20 % pro Jahr gewachsen. Angesichts eines Nachfragewachstums bei Endprodukten zwischen 5 % und 8 % war für die gesamte Plasmaindustrie absehbar, dass sich die Situation von einem Nachfrageüberhang zu einem Überangebot wandeln wird. Allerdings schlug sich diese Entwicklung stärker als erwartet in sinkenden Preisen nieder. Dies gilt besonders für polyvalente Immunglobuline, während die Preise für Spezialprodukte (Hyperimmunglobuline u.a.) bisher vergleichsweise stabil tendieren.
Aktuelle Marktdaten zeigen, dass die gesammelte Menge an Blutplasma seit Mitte 2009 zurückgeht. Dies wird mittel- bis langfristig auch das Angebot am Endproduktmarkt wieder sinken und Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht kommen lassen. Aufgrund der langen Produktionszyklen sowie der bei den Unternehmen aufgebauten Bestände an Vor-, Zwischen- und Fertigerzeugnissen wird sich jedoch auf kurze Sicht keine Entspannung einstellen.
Eine weitere Belastung für das Geschäft von Biotest ergibt sich aus den Vorgaben des so genannten GKV-Änderungsgesetzes* innerhalb der deutschen Gesundheitsreform, das zum 1. August 2010 in Kraft tritt. Der von 6 % auf 16 % erhöhte Zwangsrabatt im öffentlichen Apothekenbereich, der auf Verordnungen im Rahmen der ambulanten Krankenhausbehandlung ausgeweitet wurde, gilt für alle Plasmaproteine von Biotest mit Ausnahme der Gerinnungspräparate Haemoctin® und Haemonine®. Auch das Preismoratorium betrifft alle Plasmaproteine von Biotest mit Ausnahme der Gerinnungsfaktoren. Im Rahmen des Moratoriums sollen alle Preise auf das Niveau vom August 2009 zurückgesetzt werden. Diese Regelung soll ab dem 1. August 2010 und vorerst bis Ende 2013 gelten. Das Gesetz wird sich unmittelbar dämpfend auf den in Deutschland mit Plasmaproteinen erzielten Umsatz und das Ergebnis von Biotest auswirken. Der Vorstand geht nach einer ersten Analyse von einer jährlichen Belastung in der Größenordnung von 5 bis 6 Mio. € aus.
Beide Faktoren - die schlechter als erwartet verlaufende Entwicklung am Markt sowie die Folgen des Sparpakets in der öffentlichen Gesundheitsversorgung - haben den Vorstand veranlasst, das Ergebnisziel für das laufende Geschäftsjahr anzupassen. Die Biotest Gruppe plant weiterhin mit einem Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Bereich verglichen mit dem Vorjahr (Umsatz 2009: 438,6 Mio. €) sowie nunmehr mit einem EBIT in Höhe von 45 Mio. € +/- 10% (2009: 61,6 Mio. €). Bisher hatte Biotest für das Gesamtjahr 2010 ein EBIT auf dem Niveau des Vorjahres angestrebt. Alle Angaben beziehen sich auf die fortgeführten Geschäftsbereiche.
Im nicht fortgeführten Geschäftsbereich wird Biotest aufgrund des verbuchten Gewinns aus dem Verkauf der Aktivitäten in der Transfusions- und Transplantationsdiagnostik bisher für das Gesamtjahr ein EBIT in Höhe von 18,4 Mio. € ausweisen. Dieses ist dem erwarteten EBIT der fortgeführten Geschäftsbereiche hinzuzurechnen. Im Jahr 2009 hatte das EBIT der Biotest Gruppe (fortgeführte Geschäftsbereiche und nicht fortgeführter Geschäftsbereich) 58,5 Mio. € betragen.
Die mittel- bis langfristige Entwicklung von Biotest wird vom Vorstand unverändert positiv eingeschätzt. Wenn das Sammelvolumen bei Blutplasma in den kommenden Monaten wie erwartet weiter sinkt, dürfte sich die Preissituation bei Plasmaproteinprodukten aus heutiger Sicht Ende des Jahres 2011 wieder beruhigen. Dazu trägt auch bei, dass die Nachfrage nach Plasmaproteinen unverändert steigt. Eine Ausweitung des Indikationsspektrums, tendenziell steigende Dosierungen bei Immunglobulinen, die Erschließung neuer Märkte sowie die nach wie vor unzureichende Versorgung von rund 75 % der weltweit an Hämophilie Erkrankten sind hier die wesentlichen Treiber.
"Eine zyklische Entwicklung von Angebotsmenge und Preisniveau sind charakteristisch für unsere Branche", sagt Prof. Dr. Gregor Schulz, Vorstandsvorsitzender der Biotest AG. "Da dieser Zyklus jedoch mit der weltweiten Krise der öffentlichen Finanzen und den damit verbundenen Druck auf Kostensenkungen in den Gesundheitsbudgets zusammenfällt, ist er stärker ausgeprägt als ursprünglich zu erwarten war."
Biotest hat auf diese Entwicklung frühzeitig reagiert und die bereits im vergangenen Jahr ergriffenen Maßnahmen zur Umsatz- und Ergebnissicherung weiter intensiviert. Das Paket umfasst unter anderem Maßnahmen zur Effizienzsteigerung und Kostensenkungen in allen Bereichen.
"Wir sind überzeugt, dass diese kurzfristige Abschwächung bei Umsatz und Ergebnis die guten Perspektiven von Biotest nicht beeinträchtigt", so Prof. Schulz. "Dies gilt auch im Hinblick auf die weitere Internationalisierung unseres Geschäfts unter anderem durch Investitionen in Wachstumsmärkte sowie in Forschungs- und Entwicklungsprojekte. " Schon heute erzielt Biotest rund drei Viertel des Umsatzes außerhalb Deutschlands.
Einen detaillierten Einblick in die aktuelle Entwicklung von Geschäfts-, Ertrags- Finanz- und Vermögenslage gibt der Zwischenfinanzbericht zum 30. Juni 2010, den Biotest am 12. August 2010 veröffentlichen wird.
*GKV-Änderungsgesetz: Gesetz zur Änderung krankenversicherungsrechtlicher und anderer Vorschriften
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