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Diese Woche: Kapitalmärkte 2011 – Ein Blick in die „Glaskugel“

Jörg Bohn, Vorstand und Chefstratege der ARTUS DIRECT INVEST AG

Aktienanleger, schaut auf den Dollar!

Expertentipps | 02.01.2012

Jörg Bohn
Jörg Bohn

Vor kurzem haben die wichtigen Notenbanken den Geldhäusern in einer konzertierten Aktion den Zugang zu US-Dollars erleichtert – die Aktienmärkte reagierten sehr positiv darauf.

 Die Aktion wirft ein Schlaglicht auf einen Zusammenhang, der von Finanzexperten kaum thematisiert wird: Fällt der US-Dollar im Verhältnis zu anderen wichtigen Währungen, befeuert das oft die Aktienbörsen. Legt der Dollar aber zu, stehen die Zeichen für Dividendentitel meist auf Sturm – aktuell steht die US-Währung wieder einmal an einer entscheidenden Wegmarke.

Warum rückt die Korrelation zwischen dem Dollar-Index, der die Relation der US-Währung zu einem Korb von sechs wichtigen Währungen (EUR, JPY, GBP, CAD, SEK, CHF) abbildet, und den Aktienbörsen kaum in den Fokus? Warum machen Banken, aber auch viele Vermögensverwalter einen Bogen um dieses Thema? Wie auch immer die Antwort auf diese Frage ausfällt – Fakt ist: Aus dem Vergleich der Kursentwicklung des US-Dollar-Index und des breiten US Aktienmarkts (S&P 500) als Weltleitbörse in den vergangenen Jahren lassen sich interessante Schlüsse ziehen.

Guter Indikator für Tops am Aktienmarkt

Werfen wir einen Blick auf den beigefügten Chart, der den US-Dollar-Index (Graphik in der oberen Hälfte) und den S&P 500 seit Anfang 2008 gegenüberstellt. Es zeigt sich: Bildet der US-Dollar einen Tiefpunkt aus, dann befindet sich der Aktienmarkt in der Nähe eines Hochs. Dies ist der Fall an den Punkten A, B und C. Im Mai 2008 (Punkt A) schwächelte der US-Dollar, während der Aktienmarkt sich von einem ersten Schwächeanfall erholte und anstieg. Ein weiteres Tief (Punkt B) erreichte der Dollar im Winter 2009 – ein paar Wochen später gab der S&P 500 nach. Im Mai 2011 an Punkt C schließlich erreichte der Aktienmarkt sein bisheriges Hoch seit dem Beginn der 2009er-Hausse, und der US-Dollar-Index bildete sein Tief aus. Seither fiel der US-Aktienmarkt in der Spitze um fast 20 Prozent.

Dollar am Hoch? Dann sind die Börsen am Boden

Während die Dollar-Tiefs gute Hinweise liefern, um Top-Bildungen am Aktienmarkt in etwa zu bestimmen, zeigt sich im Rückblick: Die Hochs im Dollar-Index fallen noch genauer mit Tiefpunkten am Aktienmarkt zusammen. Bei Punkt 1 erreichte der US-Dollar im Frühjahr 2009 ein Hoch – und der breite Aktienmarkt ein Tief, dass das Ende des letzten Bärenmarktes markierte. Knapp eineinhalb Jahre später (Punkt 2) bescherte die erste Euro-Krise dem Dollar erneut ein Hoch, während der S&P 500 – erinnern Sie sich noch an den Flash Crash und Fat Finger Freddy? – zu jenem Zeitpunkt um fast 20 Prozent abgestürzt war. Auch das US-Dollar-Hoch im Oktober 2011 bei Punkt 3 zeigt eine inverse Korrelation zum Aktienmarkt: Der Währungsindex legte um acht Prozent von 74 auf 80 Zähler zu, die Aktien büßten zwischen Punkt C und Punkt 3 jedoch bis zu ein Fünftel an Wert ein.

Die Marke von 80 Zählern ist jetzt entscheidend

Wie geht es nun weiter? Die Antwort darauf hängt entscheidend davon ab, ob der US-Dollar-Index mit seinem Oktober-Hoch von 80 Punkten (Punkt 3) einen neuen Aufwärtstrend begonnen hat. Dies wäre dann der Fall, wenn der Dollar in den nächsten Wochen dieses Hoch wie auch die (dick markierte) Abwärtstrend-Linie mit Ursprung im Juni 2010 klar überwinden würde. Erfüllt sich dieses Szenario, dürften dem Aktienmarkt ungemütliche Zeiten bevorstehen, denn dann könnte der Dollar-Index seine Hochs aus dem Jahr 2008 ansteuern. Fällt der Dollar jedoch unter sein November-Tief bei 75 Zählern, wäre für den S&P 500 Entwarnung angesagt und mit einem deutlichen Anstieg der Aktienmärkte zu rechnen.

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