Expertentipps | 02.01.2012
Naturkatastrophen haben im Jahr 2011 laut Aussagen des Versicherers Swiss Re einen wirtschaftlichen Schaden von über 350 Milliarden US-Dollar verursacht. Es zeigt sich zunehmend, dass die weltweite wirtschaftliche Vernetzung neben grandiosen Effizienzgewinnen auch anfällige Bruchstellen schafft.
Die wirtschaftliche Entwicklung ist im Jahr 2011 deutlich hinter den Konsenserwartungen der Ökonomen zu Jahresbeginn geblieben. Dazu beigetragen hat sicherlich die wirtschaftspolitische Unsicherheit in der Eurozone. Gleichzeitig hat eine Vielzahl desaströser Naturkatastrophen von den Überschwemmungen in Australien und Thailand bis zu den Erdbeben in Japan wichtige Produktionszentren der globalen Lieferkette außer Betrieb gesetzt.
So steht die betroffene Flutregion in Thailand für rund 30 Prozent der weltweiten Festplattenproduktion, ohne die ein Verkauf von PCs und Laptops nicht möglich ist. Noch mehrere Monate nach dem Erdbeben und Tsunami in Japan mussten weltweit Automobilhersteller die Produktion drosseln, da ein japanischer Zulieferer keine Farbpigmente für die Karosserielackierung bereitstellen konnte. Anfang des Jahres ist in Queensland in Australien eine Fläche so groß wie Frankreich und Deutschland zusammen den Fluten zum Opfer gefallen und hat die weltweite Versorgung mit Basismaterialien spürbar belastet.
Mehr Diversifizierung notwendig
Für die Wirtschaft lässt sich positiv ableiten, dass die seit dem Sommer anhaltenden Abschwungtendenzen zum Teil auf den genannten Produktionsausfällen basieren und zeitnah wieder ausgeglichen werden können. Die schlechte Nachricht betrifft die einseitige Ausrichtung der Weltwirtschaft auf Kostenvorteile. Um die Anfälligkeit ganzer Branchen von wenigen neuralgischen Punkten zu bewahren, ist eine gewisse Verteilung bei den Lieferketten unumgänglich. Eine Diversifizierung, die Unternehmen einige Prozentpunkte Rentabilität kosten könnte und auch nicht einfach zu gestalten sein wird, angesichts von 20.000 bis 30.000 Einzelteilen, aus denen heute zum Beispiel Automobile produziert werden.
Rettung Energieeffizienz?
Zu denken geben sollte auch, ob die gehäuften Vorkommnisse von extremen Wettersituationen nicht auch eine Folge des zum Teil wohl auch vom Menschen verursachten Klimawandels darstellen. Umso bedauerlicher ist aus wirtschaftlicher Sicht die mangelnde Koordinationswilligkeit der Nationalstaaten auf der UN-Klimakonferenz in Durban. Die Maßnahmen sind nicht über Absichtserklärungen hinaus gekommen. Denn viele Technologien, die Energie effizienter nutzen können, sind bereits industriell verfügbar und bedürfen nur noch entsprechender politischer Rahmenbedingungen, um aus dem Thema Energieeffizienz einen globalen Megatrend zu machen.
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