Frankfurt am Main | 16.07.2009
Ein gut organisierter Messeauftritt gehört zu den wichtigsten Mitteln, um eine internationale Designkarriere erfolgreich zu starten. Doch aller Anfang ist schwer und vor allem kostspielig: Deshalb hat die Messe Frankfurt vor acht Jahren das Nachwuchsforum „Talents“ ins Leben gerufen – mittlerweile hat sich das Förderprogramm als fester Bestandteil der Konsumgütermessen Ambiente und Tendence etabliert. Es stellt jungen Designern kostenfreie Ausstellungsfläche zur Verfügung und präsentiert sich als trendweisende Kontaktbörse in einem internationalen Rahmen. Das Format ist mit den Jahren gewachsen und erfreute sich auch in diesem Jahr einer internationalen Nachfrage. Trendweisendes junges Design: Newcomer-Präsentationen auf der Tendence 2009
Zur Tendence 2009 vom 3. bis 7. Juli nutzten 22 junge Designer aus den Bereichen Schmuck und Accessoires die Gelegenheit, um die Fachbesucher der Carat-Halle 6.0 von ihren Prototypen und Kleinserien zu überzeugen. Produkt- und Möbeldesign zeigten 20 Nachwuchs-Designer auf dem Talents-Areal der Loft-Halle 6.1.
Für die meisten der insgesamt 42 Newcomer, darunter Teilnehmer aus Slowenien, den Niederlanden, Norwegen, Portugal oder der Türkei, war es der erste Messeauftritt. „Für uns ist es die erste Messebeteiligung hier in Deutschland und eine einmalige Gelegenheit, einen neuen Markt zu testen,“ berichtet Yu, der mit seiner Partnerin Yi-ting Cheng das Label „22designstudio“ betreibt. Die handgefertigten Ringe des im Produktdesign heimischen Designduos sind das Ergebnis einer etwa zweijährigen experimentellen Auseinandersetzung mit dem Material Beton. „Wir haben uns von der architektonischen Verwendung des Werkstoffes inspirieren lassen,“ erklärt der Designer. Als Träger des schmückenden Bausstoffes dienen Stahlringe. Sie werden mit dem Material umgossen. „Beton ist faszinierend vielseitig. Wie in der Architektur lassen sich die unterschiedlichsten Anmutungen erzielen.“ Auch das Berliner Designlabel „kvast“ fand durch einen Quereinstieg zum Schmuckdesign. Textildesignerin Verena Kern und Produktdesignerin Britta Knüppel nutzen ihr universelles Designtalent für einen umfassenden Designservice. „Zum Schmuck haben wir eher zufällig gefunden. Daher sind wir auch noch sehr am Ausprobieren,“ erklärt Kern. „Ganz klassische Schmuckmessen sind nichts für uns. Hier haben wir aber eine gute Mischung der unterschiedlichsten Interessenten.“ Entsprechend gut nachgefragt wurde die neueste Kollektion aus dem Hause „kvast“: zarte fotorealistisch bedruckte Socken und Kniestrümpfe. Die Druckvorlagen, Zeichnungen und Aquarelle, stammen aus der Feder der beiden Designerinnen. Mit einem wahren Hingucker zog der Franzose Sascha Nordmeyer, „Talent“ der Ausstellungsfläche im Angebotsbereich Loft, die Aufmerksamkeit auf seinen Messesstand. Bei Selbstdarstellungsproblemen oder dem Wunsch nach einer sympathischen Ausstrahlung in allen Lebenslagen empfiehlt der Produktdesigner seine „Kommunikationsprothese“: Das knallrote Hilfsmittel verzehrt den Mund zu einem breiten Grinsen. „Die Kommunikationsprothese ist ein guter Einstieg ins Gespräch", bestätigt Nordmeyer. „Es haben sich verschiedene interessante Kontakte ergeben.“ Nach einigen Jahren Designtätigkeit in Anstellung möchte er nun als Autorendesigner auf eigenen Beinen stehen und beruflich auch in Deutschland Fuß fassen. „Im Grunde ernähren wir uns doch heute hauptsächlich von Einschüssel-Gerichten", erklärt Produktdesigner Steffen Schellenberger die Inspiration zum Schüsselturm „Babel 2.0“. „Darauf zielt mein Entwurf ab. Er ist eine zeitgemäße Interpretation von Service.“ Ein Emaille-Sieb, ein Korb, eine Porzellan-, Aluminium-, Glas- und Holzschüssel mit identischen Durchmessern kombinieren sich zu einem formschlüssigen und äußerst dekorativen Küchen-Objekt. „Es besteht natürlich ein gewisses Risiko, ein Produkt, das eigentlich aus fünf Einzel-Produkten besteht, herzustellen“, weiß der Designer, der sich dennoch über eine positive Resonanz freut und mit zwei potenziellen Produzenten im Kontakt steht. Den diesjährigen „Talents“-Auftritt fasst Schellenberger so zusammen: „Eine Präsentation im Talents“-Areal lohnt sich auf jeden Fall! Es ist eine Auswahl sehr unterschiedlicher Entwürfe und Designansätze. Ein angenehmer Nebeneffekt dabei: es entsteht keine Konkurrenzsituation.“
Die Tendence ist das wichtigste Konsumgüterevent der zweiten Jahreshälfte. 2009 zeigten rund 2.100 Aussteller ihre Neuheiten aus den Bereichen Wohnen und Einrichten, Schenken und Dekorieren sowie Schmuck; über 50.000 Fachbesucher aus 97 Ländern reisten an den Main. Doch nicht nur als Neuheiten- und Produktplattform hat sich die Tendence einen Namen gemacht: Mit zahlreichen Trendinszenierungen ist sie eine wichtige Plattform der internationalen Designszene.
Die nächste Tendence findet vom 2. bis 6. Juli 2010 statt.
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