Frankfurt am Main | 20.08.2010
Er ist ein
Frankfurter Bub, der Dichter, Jurist, Künstler, Kulturpolitiker, Naturforscher,
Philosoph, Künstler, Intendant, Johann Wolfgang Goethe. Am 28. August 1749
erblickte er im Hirschgraben 23 das Licht der Welt. Auch in diesem Jahr ehrt die
Stadt ihren großen Sohn wieder mit einem opulenten Kulturprogramm vom 28. August
bis 5. September.
Frankfurt am Main (pia) Viele Frankfurter Kulturinstitutionen beteiligen sich an
der Frankfurter Goethe Festwoche, die zeitgleich mit dem Museumsuferfest am
letzten Augustwochenende startet. Es wird an Leben und Werk des Jubilars
erinnert und nach seiner Aktualität gefragt, wie beispielsweise in einer
Diskussion mit Daniel Cohn-Bendit unter dem Titel "Goethe und Kapitalismus".
Frankfurt ist stolz auf seinen berühmten Sohn, auch wenn dieser ein - vorsichtig
ausgedrückt - gespaltenes Verhältnis zu Frankfurt hatte. Zweimal lebte er in der
Mainstadt: von seiner Geburt bis zum 16. Lebensjahr und nochmals einige Jahre
als Rechtsanwalt. Wie die Stadt, die er ein "leidig Loch" und "Nest" nannte,
damals anmutete, zeigen unter dem Titel "Fr ankfurt zur Zeit Goethes" Führungen
im Historischen Museum. Zu entdecken ist hier das Gemälde von Friedrich Wilhelm
Hirt "Das Mainufer am Fahrtor" und das große Stadtmodell der Brüder Treuner, das
zeigt, wie die Frankfurter Altstadt zur Zeit des jungen Goethe ausgesehen hat.
Leichen im Keller
Doch
nicht nur zu Frankfurt hatte Goethe ein zwiespältiges Verhältnis, wie ein
besonderes Geburtstagsfest zum 261. Geburtstag am 28. August zeigt. Der Dichter
hatte durchaus seine Leichen im Keller. Ob Kleist oder Hölderlin, seine
zahlreichen Liebhaberinnen oder der eigene Sohn: Es gab so einige, die unter dem
großen Goethe litten. Sein Sohn August endete ruhmlos und geschädigt durch
reichlich Weinkonsum in Goethes Schatten. An einer fiktiven Geburtstagstafel, an
der der Spruch, dass man über Tote nicht schlecht reden soll, keinesfalls gilt,
versammelt das Theater Willy Praml Frau von Stein, Schiller, Lenz, die Vulpius
und Sohn August.
"Wilhelm Meister" steht im Zentrum
Vor
allem aber Goethes Wilhelm Meister wird in diesem Jahr mit Liedern,
Inszenierungen, Diskussionen, Ausstellungen und Filmen ins Zentrum gerückt. Die
beiden Romane um Meisters Lehr- und Wanderjahre begründeten zu Goethes Zeit eine
neue Form des Romans und sind thematisch wie formal noch immer hochgradig
aktuell. Es geht um Kunst, das Theater, Persönlichkeitsentwicklung und die
Frage, die letztlich jeden Menschen an- und umtreibt und die sich angesichts des
Titelhelden mit dem sprechenden Namen Meister mit der Frage "Wie lässt sich das
Leben am besten meistern?" umreißen lässt. Die beiden Romane halten dabei die
ebenso schmerzliche wie letztlich aber auch beglückende Einsicht parat, dass ni
cht die Kunst, sondern das Leben selbst der beste Lehrmeister ist. Eine
Dramatisierung mit dem Titel "Wilhelm Meister. Eine theatralische Sendung" ist
ab dem 29. September im Schauspiel Frankfurt zu sehen. Das Theater Willy Praml
in der Naxoshalle zeigt die dreistündige filmische (Kurz-)Fassung eines
13-stündigen Theatermarathons aus dem Jahre 2004. Filmische Adaptionen des
Wilhelm Meister Stoffes sind im Deutschen Filmmuseum zu sehen, wo zum Beispiel
mit "Falsche Bewegung" von Wim Wenders ein Wilhelm Meister der Neuzeit auf dem
Programm steht.
Ausstellung im Goethehaus
Ein
herausragender Programmpunkt der diesjährigen "Frankfurter Goethe Festwoche" ist
die Ausstellung in Goethes Geburtshaus. Unter dem Titel "Wie stellt man
Literatur aus? Sieben Positionen zu Goethes Wilhelm Meister" wird die Frage
diskutiert, wie Literatur überhaupt auszustellen sei. Im Goethehaus reicht das
Spektrum vom Klassiker - also der Ausstellung des wichtigsten überlieferten
Manuskripts des "Wilhelm Meister" - über eine Installation mit Leserstimmen bis
hin zur Stadterkundung und zur Möglichkeit, in einer Installation die Goethesche
Syntax tanzend zu erfahren.
Im Gleichklang mit dem Museumsuferfest
Auch wenn das Goethehaus nicht am Ufer liegt, ist es auch beim Museumsuferfest
dabei, das zu den größten europäischen Kulturfestivals zählt. In diesen drei
Tagen haben nicht nur die Ausstellungshäuser bis spät in die Nacht geöffnet,
sondern entlang des Mains und in der Stadt sorgen Musiker für Klänge von Klassik
über Folklore bis hin zu Rock und Punk, die Crème de la Crème der im
Rhein-Main-Gebiet bekannten Satiriker tritt auf. Argentinien, das Gastland der
diesjährigen Buchmesse, präsentiert sich mit Tango, Schnupperkursen und
Gastronomie. Das gesamte Programm kann mit der Programmapplikation im App Store
unter dem Namen "MUF2010" für iPhone und iPod touch heruntergeladen werden. F r
die Besucher des Festes soll damit die Antwort auf die Frage nach der nächsten
Bühne, dem nächsten Auftritt oder auch der nächsten Toilette nur noch ein paar
kleine Clicks entfernt sein.
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