Stadt/LK Offenbach am Main | 06.12.2011

v.l.: Oberbürgermeister Horst Schneider, Staatsminister Boris Rhein und Uwe Sauer, Leiter der Berufsfeuerwehr. Foto: Offenbach
Die ältesten im Stadtarchiv erhaltenen Aufzeichnungen über das Offenbacher Feuerwehrwesen reichen bis in das Jahr 1755 zurück. Schlossermeister Johann Dietrich Wohls war der erste Spritzenmeister der Stadt und seit aus 36 beherzten Turnern, die 1845 beim Löschen eines Brandes auf dem Gelände der Firma Philipp Jakob Spicharz AG in der heutigen Mainstraße halfen, die erste freiwillige Feuerwehrmannschaft hervorging, gehen die Aufgaben der heutigen Feuerwehr um ein Vielfaches über die Brandbekämpfung hinaus. In einer Feierstunde würdigten Boris Rhein, Hessischer Minister des Inneren und für Sport, und Oberbürgermeister Horst Schneider gemeinsam mit Dr. H.C. Ralf Ackermann, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Hessen und Prof. Reinhard Ries. Leiter der Berufsfeuerwehr Frankfurt, die Arbeit der seit 1921 bestehenden Berufsfeuerwehr Offenbach.
„Von einem Job, der in der Kleidung haften bleibt“, sprach Staatsminister Boris Rhein, anlässlich des 90. Geburtstag: „Die Feuerwehr rettet Leben und schützt Sachwerte. Das ist eine nicht zu unterschätzende risikobehaftete Aufgabe.“ Retten bei Feuer, Überschwemmungen und Verkehrsunfällen, löschen und technische Hilfeleistungen, bergen, schützen und aktiver Umweltschutz – die Aufgaben der Feuerwehr sind komplexer geworden, seit die Stadtväter der wachsenden Industriestadt Offenbach in den 1920er Jahren begannen, den Feuerschutz stetig auszubauen: „Die Offenbacher Feuerwehr arbeitet fachlich und technisch schon immer auf hohem Niveau, die Bürger sind hier in den besten Händen“, so Rhein.
Uwe Sauer, Leiter der Berufsfeuerwehr Offenbach, nahm die Gäste mit auf eine Zeitreise des „facettenreichsten Amtes der Stadtverwaltung“: Er berichtete von ersten Feuerwachen in den trockenen Sommermonaten, der Neuerung mit einer Wasserleitung mit 120 Hydranten aus dem Jahre 1872, dem ersten Feuerwehrhaus 1888 und der weltweit ersten Elektro-Automobil-Rettungsleiter mit einer Höhe von 23 Metern, die 1903 in Betrieb genommen wurde. Und schließlich der Dienstaufnahme der Berufsfeuerwehr Offenbach mit 30 Beamten am 1. Dezember 1921. Einem 36-stündigem Wachdienst mit darauf folgender Freizeit von 24 Stunden (1923) folgten 24 Stunden Dienst – 24 Stunden frei (1945) und schließlich, 1946, eine Arbeitszeit von 48 Stunden bei einem Monatslohn von 186,75 Mark. Insgesamt 145 Feuerwehrleute gab es 1946 in Offenbach, 45 bei der Berufsfeuerwehr, 80 freiwilligen Feuerwehrleute und 20 Werkfeuerwehrleute.
Am 19. Mai 1951 erhielt Hessen ein eigenes Brandschutzgesetz, in Folge dessen wurde die Anzahl der Berufsfeuerwehrmänner 1955 auf 60 erhöht. Mit Erlass des Hessischen Beamtengesetztes wurde die wöchentliche Arbeitszeit 1962 von 72 auf 56 Stunden verkürzt – die Berufsfeuerwehr Offenbach führte den Dreischichtendienst ein und die Personalstärke auf 100 Mann angehoben. 1972 verfügte Offenbach über 116 Berufsfeuerwehrmänner, 1997 nahm die erste Frau ihren Dienst bei der Berufsfeuerwehr auf.
Im Rahmen von Haushaltssanierungsbestrebungen der Stadt Offenbach sollten, nachdem 2002 die Stärke auf nur noch 113 Stellen und 0 Ausbildungsstellen reduziert war, weitere 5 Stellen eingespart werden. Diese Mehrbelastung schlueg sich bei den verbliebenen Beamten nieder, sie sammelten Überstunden oder „die Leute schliefen ein“, so Sauer und ist froh, dass nach Verabschiedung des Brandschutzplanes im August diesen Jahres zukünftig 127 Berufsfeuerwehrfrauen und -männer den Brandschutz in der Stadt sicherstellen werden.
„113, 108, 127.“ – Für Oberbürgermeister Horst Schneider „magische Zahlen“, die die Sanierungsbestrebungen der Stadt beschreiben: „Offenbach hat gemessen an der Einwohnerzahl ohnehin die niedrigsten Personalkosten. Aber in Anbetracht des strukturellen Defizits der Stadt sind die beschlossenen 127 Stellen ein Kraftakt.“ An der Relevanz der Arbeit der Feuerwehr allerdings gebe es nichts zu rütteln, so Schneider, er könne sich gut an Brandgroßereignisse in der Stadt erinnern: „Es ist eine große zivilisatorische Leistung mit Unwettern, Bränden und Überschwemmungen umzugehen und ständig für die Sicherheit der Bürger einzustehen.“
Dass die Feuerwehr dabei inzwischen auch Frauen offensteht, begrüßte Schneider ausdrücklich. In den letzten Jahren sei viel in die nötige Infrastruktur investiert worden, noch fehlten allerdings qualifizierte Bewerberinnen. Auch wenn „Technik inzwischen Männerkraft substituiert“: die Anforderungen sind hoch. Trotzdem ist die Feuerwehr für viele ein Traumberuf, davon zeugen auch die rund 1,3 Millionen Mitglieder des Deutschen Feuerwehrverbandes in dem die Freiwilligen, Jugend-, Berufs- und Werkfeuerwehren organisiert sind. Mit dem Projekt „Frauen – Stärken – Offenbach“ unterstützen die Stadt und die SOH-Gruppe Frauen auf ihrem Weg in neue Arbeitswelten – sieben Arbeitsplätze möchte die Feuerwehr Offenbach bis 2014 mit weiblichen Kräften besetzen.
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