Stadt/LK Offenbach am Main | 10.05.2011

Das Programm steht, die Kataloge liegen vor. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen: schließlich sind die Offenbacher Kunstansichten immer auch eine Einladung, den Facettenreichtum Offenbachs per Bus, mit dem Fahrrad oder eben per pedes zu entdecken. Zugleich machen sie den Kreativstandort sicht- und erlebbar. Denn vom 13. bis 15. Mai öffnen die zahlreichen Ateliers, Galerien und alternativen Kunstorte in der Stadt wieder ihre Türen und Künstler und Kunstschaffende laden ein zum Betrachten und Verweilen, kurzum zum munteren Austausch.
„Die Kunstansichten sind eine Publikumsveranstaltung“, so Projektleiterin Anna-Fee Neugebauer vom Kulturbüro, „die auch Menschen, die sich normalerweise kaum mit Kunst beschäftigen, an Malereien, Grafiken, Installationen und Perfomances heranführen können.“ Deshalb hat sich das Kulturbüro für das diesjährige Festival neben den „Kunstansichten-Extras“ etwas Besonderes ausgedacht: bei einem Preisausschreiben kann Kunst gewonnen werden. Dabei gilt es nicht nur zwei Fragen richtig zu beantworten, kniffeliger scheint die persönliche „Qual der Wahl“: Welches Bild soll zukünftig das Wohnzimmer zieren? Denn immerhin kann der Gewinner mit dem Preisgeld eine Arbeit aus den bei den Kunstansichten gezeigten Werken erwerben. Kein leichtes Unterfangen bei einer Gesamtschau von rund 120 teilnehmenden Künstlerinnen und Künstlern an 44 Punkten in der Stadt.
Was bedeutet Kunst überhaupt? Ist sie nur etwas für Schöngeister oder eignet sie sich auch für das tägliche Leben? Einen spannenden Auftakt verspricht die Podiumsdiskussion am Donnerstagabend im Klingspor-Museum, die Kunstschaffende, Kulturarbeiter und Sammler versammelt. Neben Dr. Britta Schmitz, Oberkustodin der Nationalgelarie Hamburger Bahnhof und Moi Soltek, Sammlerin und Jurorin des BDI, die aus Berlin anreisen und somit auch eine Außensicht auf die Aktivitäten in der Stadt mitbringen, sind die Frankfurter Galeristin Anita Beckers, die Künstlerin Merja Herzog-Hellstén aus Hanau, Markus Lepper vom Neuen Kunstverein Gießen und Olaf Hackl, Hausmeister der Städelschule und Künstler, Gäste auf dem Podium. Moderiert wird die Runde von Stadtkämmerer Michael Beseler, der durch seine Arbeit das Für und Wider mit der Kunst gut kennt.
Mit rund 37.500 EURO unterstützt die Stadt Offenbach die Kunstansichten 2011, der Rest der Gesamtkosten in Höhe von 44.000 EURO wird durch die Teilnahmegebühren sowie durch Sponsorengelder finanziert. Dafür stellt das Kulturbüro die Infrastruktur, sorgt für Werbung in der Region Frankfurt/ Rhein-Main und produziert einen Ausstellungskatalog, der auf 250 Seiten die teilnehmenden Künstler mit ihrer Arbeit vorstellt. Der Katalog ist während der Kunstansichten für 5,00 EURO am Infopoint im Klingspormuseum erhältlich, außerdem gibt es dort Einzelkataloge teilnehmender Künstler.
Das Interesse zur Teilnahme war dementsprechend groß und viele haben lange an ihrer Bewerbung gearbeitet und gefeilt. Denn eine Teilnahmevoraussetzung war die Einreichung einer aktuellen Arbeit sowie die Dokumentation der kontinuierlichen künstlerischen Tätigkeit. „Eine kleine Hürde“, meint Neugebauer, denn die Künstler seien professioneller geworden. Trotzdem scheiterten 18 Künstler an formalen Kriterien.
Etabliert sind sie schon lange, immerhin gibt es sie seit 1998. Erst jährlich, finden die Offenbacher Kunstansichten seit 2009 als Biennale statt. „Das“, so Anna-Fee-Neugebauer bei der Präsentation des Programms der diesjährigen Bilderschau, „entspricht auch dem Wunsch der Künstler.“ Denn der nun eingeführte Zweijahres- Rhythmus verschafft ihnen „mehr Luft“, an einer qualitativ hochwertigen Präsentation zu arbeiten. Und am gleichbleibend hohen Niveau ist schließlich allen gelegenen. Hinzu kommt, dass mit der Verlegung in das Frühjahr der traditionell stark bespielte Herbst „ein wenig entzerrt“ wird. Angenehmer Nebeneffekt: das parallele Buhlen der Kunstansichten und des Festivals junger Talente um Publikum, aber auch Förder- und Sponsorengeldern hat ein Ende. Jetzt wechseln sich beide Veranstaltungen miteinander ab, die geraden Jahre gehören den jungen Talenten, in den ungeraden Jahren wird die Stadt mit den Kunstansichten bespielt. Ein zentraler Kristallisationspunkt dabei ist die Offenbacher Hafeninsel, sie ist architektonisches Entwicklungsgebiet und ein Synonym für den Kreativstandort Offenbach zugleich und damit der ideale Platz für ein get-together von Künstlerinnen und Künstlern, Freunden, Passanten und Gästen. Bei freiem Eintritt laden die Kunstansichten am Samstagabend zu Party und Konzert in den hafen 2, „denn“, so die Organisatorin, „Kunst hat schließlich immer auch etwas mit Kommunikation und Bewegung zu tun.“
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